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Carolinen bringt Trays in den Markt

12. Oktober 2006 / Von Björn Weber LZ|NET

System könnte Handel die Regalbefüllung mit Flaschen und Multipacks ersparen – Ifco will Pool mit Delbroucks Lösung aufbauen

Der Bielefelder Mineralbrunnen Wüllner liefert als erster Markteilnehmer Flaschen auf einem Mehrweg-Tray-System. Es könnte dem Einzelhandel viel Arbeit ersparen.

Denn die Alternative zur Getränkekiste aus dem Hause Delbrouck dient als Abverkaufs-Displays für unterschiedliche Einzelflaschen und Multipacks. Der Handel muss die Gebinde nicht mehr ins Regal räumen.

“Wenn sich das System etabliert, können wir damit Regale ersetzen”, erklärt Maik Ramforth-Wüllner. Was der Geschäftsführer der Carolinen-Brunnen derzeit in den Markt zu bringen versucht, verspricht dem Einzelhandel erhebliche Prozess-Vorteile: Ein Mehrweg- Tray-System, das gleichzeitig als Abverkaufsdisplay dient.

Einzelflaschen und Multipacks können damit direkt von der Palette verkauft werden. Mehrweg ebenso wie Einweg. Regale müssen nicht mehr befüllt werden.

Während sich ähnliche Systeme in den skandinavischen Ländern bereits etabliert haben, gab es hierzulande bisher nur den noch jungen Ansatz der Nordmann-Tochter Logipack, Sechser-Träger Bier auf Trays und Rollpaletten in den Handel zu schieben. Inbev und Krombacher testen dies gemeinsam mit der Stralsunder Brauerei.

System zielt auf größeren Markt

Das neue Dual-Tray-System, mit dem der Carolinen-Brunnen seine PET-Cycle-Flaschen dieser Tage erstmals in ostwestfälische Trinkgut- und Profi-Fachmärkte sowie eine Real- und einen Marktkauf-Filiale in Bielefeld liefert, zielt jedoch auf einen viel größeren Markt.

“Wir wollen ein Pool-System etablieren, mit dem 85 Prozent aller Flaschen und Dosen transportiert werden können”, kündigt Klaus Delbrouck, Inhaber des gleichnamigen Getränkekisten-Herstellers an.

Seine Trays sollen Einweg ebenso wie Mehrweg, PET ebenso wie Glas und sogar Dosen transportieren. Während sie von der einen Seite als Träger von Einzelflaschen dienen, muss man sie nur umdrehen, damit sie zu Trägern von Multipacks werden.

Ifco ist interessiert

Der Mehrwegpoolbetreiber Ifco, der mit Transportsystemen für Obst, Gemüse und Fleisch am Markt etabliert ist, will die Delbrouck-Trays in Umlauf bringen. Coca-Cola, Pepsi und die Getränkegruppe Hövelmann (Sinalco) beschäftigen sich nach Informationen der LZ intensiv mit der neuen Möglichkeit.

Um der gigantischen Gebindevielfalt des hiesigen Getränkemarktes mit einem einzigen System gerecht werden zu können, hat Delbrouck bei der Herstellung das gummiartige TPE verwendet: Dadurch nehmen die Trays Flaschen mit unterschiedlichen Durchmessern auf.

Mit acht verschiedenen Tray-Varianten kann er so die meisten der im Markt verbreiteten Gebinde bedienen, erklärt Delbrouck. Alle geplanten Tray-Varianten sollen sich aufeinander stapeln lassen und im gleichen Pool unterwegs sein.

Eine Variante ist bis heute verfügbar

Rollpaletten, die den Hubwagen in den Verkaufsflächen ersetzen könnten, sieht das Delbrouck-System im Gegensatz zu Nordmanns Logipack bisher nicht vor. “Rollen kann man höchstens eine Viertelpalette”, erklärt Delbrouck.

Sein System sieht aber auch Trays in der Größe einer Halbpalette vor und lässt sich auch auf Vollpaletten kombinieren. Flaschen mit einem Liter oder mehr ließen sich nicht sicher auf Viertelpaletten transportieren. “Und eine halbe oder ganze Palette wird zu schwer, um sie auf eigenen Rädern zu bewegen”, gibt Delbrouck zu bedenken.

Es sei aber dennoch nicht ausgeschlossen, dass zu dem geplanten Pool in Zukunft auch die Dollie genannten Rollpaletten zählen, zum Beispiel, um Trays mit je 48 oder 54 Dosen auf Viertelpaletten an den Ort des Verkaufs zu schieben.

Noch ist es jedoch nicht so weit. Verfügbar ist bis heute nur eine Variante des Delbrouckschen Dual- Tray-Systems: Sie hat die Größe einer Viertelpalette und fasst 24 Flaschen. Carolinen-Brunnen bringt damit jetzt als Pionier seine 1,5-Liter-PET-Cycle-Flaschen in die Verkaufsstellen. 15.000 dieser Trays stehen heute zum Einsatz bereit.

Handel könnte Leergut-Chaos in den Griff bekommen

Der Test der Bielefelder dient auch als Probelauf für die 90 PET-Cycle-Abfüller. Ramforth-Wüllner sieht Chancen, ein solches Poolsystem mit dieser Gruppe zu etablieren: “Schon wenn die Hälfte der PET-Cycle-Abfüller mitmacht, könnte es funktionieren”, sagt er.

Für sein eigenes Haus hat Ramforth-Wüllner bereits eine Pack-Anlage geordert, mit der das Dual- Tray-System spätestens ab November automatisiert befüllt werden soll.

Was mit den sehr leichten PET-Cycle-Flaschen bisher jedoch nicht klappt, ist die Rückführung des Leergutes auf den Trays. Im Einsatz mit schwereren Mehrweg-Flaschen könnten die Trays der Branche jedoch ein erhebliches Problem lösen.

Die Industrie müsste keine leeren Kisten mehr in die Verkaufsstellen transportieren. Und der Handel könnte das Leergut-Chaos von Einzelflaschen in seinen Hinterräumen in den Griff bekommen.

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